Drei Elternteile durch künstliche Befruchtung – Wie funktioniert das?

Vor rund einem halben Jahr (im April 2016) kam in den USA ein Kind zur Welt, das drei Elternteile besitzt – zwei Mütter und einen Vater. Möglich wurde dies durch ein neuartiges Verfahren der künstlichen Befruchtung, das nur in ganz bestimmten Fällen zum Einsatz kommt und in Ländern wie den USA oder Deutschland verboten ist.

Das Kind verfügt jedoch nicht über drei gleiche Anteile des Erbguts aller Elternteile. Die Erbinformationen der Spenderin der Eizelle sind zwar im Kind vorhanden, jedoch nur zu einem sehr geringen Prozentsatz. Nichtsdestotrotz würden solche Kinder unsere Gerichte vor ernste Probleme stellen.

Wie genau diese Form der künstlichen Befruchtung funktioniert, warum das Thema kontrovers diskutiert wird und wieso die Anwendung des Verfahrens überhaupt nötig war, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Warum war diese Form der künstlichen Befruchtung notwendig?

Die Mutter des Kindes ist zwar gesund, jedoch trägt sie die Erbinformationen des Leigh-Syndroms in sich. Hierbei handelt es sich um eine tödliche Krankheit, der eine Störung des mitochondrialen Stoffwechsels zu Grunde liegt. Wenn eine Mutter diese Erbinformationen in sich trägt, kommt es in den meisten Fällen zu Fehlgeburten oder zum Tod des Kindes innerhalb weniger Monate. Die US-Amerikanerin in diesem Beispiel erlitt bereits vier Fehlgeburten und verlor zwei Kinder an das Leigh-Syndrom.

Die Erbanlagen für das Leigh-Syndrom befinden sich nicht etwa im Zellkern der Eizelle, sondern lediglich innerhalb der Mitochondrien im restlichen Teil der Zelle. Diese Information wird im nächsten Abschnitt besonders wichtig.

Wie funktioniert diese spezielle Form der künstlichen Befruchtung?

Die künstliche Befruchtung wurde durch den Arzt John Zhang vom New Hope Fertility Center in New York durchgeführt. Da die Methode in den USA verboten ist, wurde die Befruchtung in Mexiko durchgeführt, sodass sich dabei niemand strafbar macht.

Der Ausgangspunkt der künstlichen Befruchtung ist die Eizelle der tatsächlichen Mutter. Dieser Eizelle wird der Zellkern entnommen. Das schädliche mitochondriale Gewebe wird verworfen. Nun kommt die Eizelle der Spenderin ins Spiel: Der Zellkern dieser Eizelle wird entfernt, sodass der Zellkern der Mutter eingesetzt werden kann. Dadurch entsteht erneut eine vollständige Eizelle.

Diese Eizelle wird nun im Labor mit den Spermien des Mannes befruchtet und der ursprünglichen Mutter wieder eingesetzt. Von nun an erfolgt die Schwangerschaft auf ganz natürlichem Wege. Das Endergebnis sollte ein gesundes Kind sein, das hauptsächlich das Erbgut der Mutter und des Vaters enthält. Das Erbgut der Spenderin ist lediglich zu sehr geringen Anteilen enthalten.

Ganz ausschließen lassen sich die Anlagen für das Leigh-Syndrom jedoch nicht: Zhang hat bereits bestätigt, dass weniger als ein Prozent der Informationen trotz des neuartigen Verfahrens an das Kind übertragen werden können. Forscher vermuten jedoch, dass mindestens 18 Prozent der Anlagen notwendig seien, damit es zu einem Ausbruch der Krankheit kommen kann.

Verfahren führt zu kontroversen Diskussionen

Zwar mag das Verfahren funktionieren und einige gefährliche Krankheiten wie das Leigh-Syndrom ausschließen, jedoch bleibt es ethisch gesehen äußerst fragwürdig. Der Knackpunkt ist dabei die Tatsache, dass das Kind das Erbgut von drei verschiedenen Personen in sich trägt. Das ist zum einen wider die Natur und zum anderen stellt es Gerichte vor ganz neue Herausforderungen.

Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass das Verfahren in Ländern wie den USA oder in Deutschland niemals erlaubt werden wird.

Woher stammen diese Informationen?

Die ersten Informationen über dieses Kind und das spezielle Verfahren wurden dem Vorbericht zur Konferenz der Amerikanischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (kurz: ASRM) entnommen. Die tatsächliche Konferenz findet Mitte Oktober in Salt Lake City statt und wird weitere Informationen zu diesem Thema enthüllen. Wir dürfen gespannt sein, welche Informationen uns noch erwarten.

Letztendlich würde diese Form der künstlichen Befruchtung all denjenigen Frauen helfen, die schädliche Erbanlagen in sich tragen, die sich auf das mitochondriale Gewebe der Eizelle beschränken. Dennoch bezweifeln wir aufgrund der rechtlichen Situation, dass solche Verfahren jemals in Deutschland zugelassen werden.

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