Hormonfreie Verhütung – diese Methoden bietet der Markt an

Zwar ist die Antibabypille nach wie vor neben dem Kondom das beliebteste Verhütungsmittel, aber immer wieder immer weniger Frauen vertrauen dieser Methode bzw. fürchten sich vor schlimmen Nebenwirkungen. Tatsächlich führt die Einnahme der Antibabypille, wie zum Beispiel Cerazette, nicht selten zu Stimmungsschwankungen, einer verringerten Libido oder sogar zu Blutgerinnseln.

Manchmal kann es – wenn auch sehr selten – zu lebensgefährlichen Situationen kommen, zumal einige Nebenwirkungen mancher Antibabypille nicht unumstritten sind. Vor diesem Untergrund suchen immer mehr Frauen nach Alternativen im Bereich der Verhütungsmittel, die möglichst keine Hormone enthalten.

Doch welche Methoden der sogenannten hormonfreien Verhütung gibt es derzeit eigentlich am Markt? Wir möchten in unserem Beitrag einen Überblick darüber geben, welche Methoden aktuell angeboten werden, wie sicher diese sind und welche Kosten verursacht werden.

Überblick: Diese Methoden werden angeboten

Die folgenden Methoden beinhalten, dass es sich jeweils um eine hormonfreie Verhütung handelt. Demzufolge wirken bei den gleich angesprochenen Verhütungsmethoden eben keine Hormone auf den Körper, wie es insbesondere bei der Antibabypille der Fall ist. Daher zeichnen sich die hormonfreien Verhütungsmethoden vor allem dadurch aus, dass es überhaupt keine Nebenwirkungen gibt oder die auftretenden Nebenwirkungen selten bzw. moderat sind. In der Übersicht möchten wir im Folgenden insbesondere diese hormonfreien Verhütungsmethoden etwas näher vorstellen:

  • Symptothermale Methode
  • Verhütungs-Apps
  • Diaphragma
  • Spirale
  • Herkömmliche Kondome
  • Kondome für die Frau

Beginnen möchten wir mit der Symptothermal-Methode, die in den Bereich der natürlichen Familienplanung fällt.

Symptothermal-Methode: Familienplanung auf natürliche Art und Weise

kondom

Immer mehr Frauen sind ein Anhänger der sogenannten Symptothermal-Methode. Diese Methode der hormonfreien Verhütung basiert auf der Tatsache, dass Frauen während ihres Monatszyklus insgesamt lediglich fünf bis sieben Tage haben, in denen sie überhaupt schwanger werden können. Die Symptothermal-Methode ist auch als Temperaturmethode bekannt und fällt in den Bereich der natürlichen Familienplanung. Die Methode funktioniert so, dass Sie jeden Morgen Ihre Temperatur messen und darüber hinaus mindestens zusätzlich noch ein weiteres Symptom beobachten, welches auf Ihre Zyklusphase hindeutet. Dabei kann es sich beispielsweise um eine Analyse des Zervixschleimes handeln. Die gemessenen Werte tragen Sie entweder in ein Zyklusblatt oder heutzutage alternativ in einer App ein. Die Auswertung sieht dann so aus, dass Ihnen angezeigt wird, wann der Eisprung vermutlich stattfindet. Dadurch können Sie letztendlich auch die fünf bis sieben fruchtbaren Tage Ihres Zyklus bestimmen und – falls Sie nicht schwanger werden möchten – in dieser Zeit Sexualkontakte vermeiden.

Die Symptothermal-Methode verursacht nur geringe Kosten, denn im Prinzip benötigen Sie lediglich ein Digitalthermometer, welches schon ab fünf Euro erhältlich ist. Zwar sollten Sie sich etwas näher über die Methode informieren, aber zu diesem Zweck gibt es zahlreiche kostenlose Informationen im Internet. Falls Sie in den entsprechenden fruchtbaren Tagen tatsächlich völlige Enthaltsamkeit üben, wird die Sicherheit dieser Methode auf dem Pearl-Index mit 0,3 bis 0,7 bewertet.

Verhütung-Apps: Verhüten im digitalen Zeitalter

Ganz ähnlich wie die Symptothermal-Methode funktionieren sogenannte Verhütungs-Apps. Allerdings ist es in diesem Fall notwendig, eine längere Vorlaufphase zu haben, denn es dauert durchschnittlich rund drei Monate, bis Sie tatsächlich die wichtigen Symptome innerhalb Ihres Zyklus erkennen können. Es gibt nämlich einige Dinge, die Ihre Körpertemperatur auch ganz unabhängig vom anstehenden Eisprung verändern können, nämlich:

  • Unregelmäßiger Schlafzeiten
  • Fieber / Infekt
  • Stress
  • Alkohol

Diese möglichen Ursachen müssen Sie beachten, damit Sie tatsächlich anhand der Temperaturmessung möglichst genau bestimmen können, ob die Temperaturerhöhung auf den anstehenden Eisprung zurückzuführen ist oder nicht. Aber selbst diese eventuellen Störfaktoren tragen Sie in der entsprechenden App ein, die dann letztendlich in der Summe analysiert, innerhalb welches Zeitraumes vermutlich Ihre fruchtbaren Tage sind.

Diaphragma als bewährte hormonfreie Verhütungsmethode

Eine schon viele Jahrzehnte bekannte Verhütungsmethode ist das sogenannte Diaphragma. Es handelt sich dabei um einen Ring, der für gewöhnlich aus Silikon besteht und auf mechanische Art und Weise verhindert, dass Spermien in die Eizellen vordringen können. Dies funktioniert so, dass der Muttermund durch das Diaphragma bedeckt wird, wobei diese mechanischen Verhütungsmittel durch die Scheidenwände gehalten werden. Alternativ gibt es mittlerweile auch sogenannte Portiokappen, die einerseits kleiner als Diaphragmen sind und sich zum anderen direkt am Muttermundfest saugen. Nicht so schön ist die Handhabung, denn sowohl Diaphragmen als auch Portiokappen müssen Sie vor dem anstehenden Sex jeweils zunächst einsetzen und anschließend – frühestens allerdings acht Stunden nach dem Verkehr – natürlich wieder entfernen. Zudem muss ein Verhütungsgel aufgetragen werden, welches den Sinn und Zweck hat, die Spermien bewegungsunfähig zu machen.

Für viele Frauen gehört das Diaphragma sicherlich nicht zu den bevorzugten Verhütungsmethoden, da es durchaus als umständlich und nervig angesehen wird, jedes Mal vor dem Sex ein solch mechanisches Gerät einzuführen, zumal es mindestens acht Stunden nach dem Verkehr noch in der Vagina verbleiben sollte. Die Kosten belaufen sich auf durchschnittlich 30 bis 40 Euro für das Diaphragma, wobei zusätzlich noch Kosten für die Verhütungsgels anfallen. Die Sicherheit ist zudem nicht gerade überzeugend, denn auf dem Pearl-Index bewegt sich das Diaphragma im Bereich zwischen 1,2 und 8,0.

Kupferspirale, Kupferkette & Co.

Zu den ebenfalls bekannten Verhütungsmitteln, die nicht auf einer hormonellen Basis wirken, gehören die Spiralen. Diese gibt es heutzutage in mehreren Varianten, beispielsweise als Kupferspiralen, Kupferketten oder auch in Form eines Kupferperlenbandes. All diese mechanischen Verhütungsmittel werden unter dem Oberbegriff „Intrauterinpessare“ zusammengefasst. Die unterschiedlichen Formen der Spiralen, Ketten und Perlenbänder haben eines gemeinsam, nämlich die Wirkungsweise. Durch das enthaltene Kupfer findet eine Veränderung des biochemischen Milieus innerhalb der Gebärmutter statt, welches dazu führen soll, dass die Beweglichkeit der Spermien erheblich eingeschränkt wird.

Sollte es ein Spermium dennoch einmal bis zur Eizelle schaffen, ist es durch die Kette oder Spirale als mechanisches Hindernis nicht möglich, dass sich die Eizelle dort eingenistet. Während die Sicherheit dieser hormonfreien Verhütungsmethode mit 0,3 bis 0,7 nach dem Pearl-Index sehr hoch ist, sprechen sicherlich vor allem die Kosten gegen diese Verhütungsmethode. Diese belaufen sich nämlich auf durchschnittlich 150 bis 350 Euro, auch wenn es meistens nur eine einmalige Anschaffung ist. Darüber hinaus befürchten nicht wenige Frauen bei diesem mechanischen Verhütungsmittel ein Infektionsrisiko, welches tatsächlich beim Einsatz von Spiralen und Ketten aus Metall vorhanden ist.

Das gute alte Kondom als Verhütungsmethode plus X

Die bekannteste und mit am zuverlässigsten wirkende Verhütungsmethode (bei korrekter Anwendung) ohne hormonelle Mittel zur Verhütung ist nach wie vor das gute alte Kondom. Dieses dient schon seit Jahrzehnten der Verhütung und besteht aus einem sehr dünnen Material, oftmals noch aus Latex. Für diese nicht hormonelle Verhütungsmethode spricht neben der Sicherheit (Pearl-Index 2-8) vor allem die Tatsache, dass die Anwendung ab einem gewissen Alter nahezu jedem Menschen bekannt ist. Darüber hinaus finden insbesondere Frauen diese Verhütungsmethode sehr gut, da die Verantwortung der Schwangerschaftsverhütung einmal nicht bei ihnen liegt. Zudem kann das Kondom jederzeit und völlig spontan zum Einsatz kommen, was beispielsweise auf das Diaphragma oder auch Spiralen nicht zutrifft. Die Kosten sprechen ebenfalls für das klassische Kondom, denn sie belaufen sich auf durchschnittlich 20 bis 50 Cent pro Kondom.

Gegen Kondome sprechen allerdings die möglichen Anwendungsfehler, die nicht gerade selten vorkommen. Zudem empfinden manche Männer die Kondome nach wie vor als störend oder haben die Sorge, dass der Sex nicht so gefühlsecht wie ohne Kondom ist. Ein äußerst erfreulicher Nebeneffekt ist beim Kondom übrigens im Unterschied zu nahezu allen anderen Verhütungsmitteln, dass nicht nur ein Schwangerschaftsschutz vorhanden ist, sondern Männer sich und ihre Partnerinnen gleichzeitig vor ansteckenden Geschlechtskrankheiten schützen.

Relativ neu am Markt: Frauenkondome

Im Zuge der Gleichberechtigung gibt es mittlerweile nicht nur die klassischen Kondome für Männer zur Verhütung, sondern auch sogenannte Frauenkondome. Diese Kondome für Frauen kleiden die Vagina von innen aus und bestehen in aller Regel aus einem weiten Schlauch. Dort gibt es einen inneren und äußeren Ring, wobei der äußere Ring über die Schamlippen gestülpt wird. Im Gegensatz zum normalen Kondom können die Frauenkondome schon mehrere Stunden vor dem geplanten Geschlechtsverkehr eingesetzt werden. Die Kosten belaufen sich durchschnittlich auf 15 bis 20 Euro für zehn Frauenkondome, sodass der Durchschnittspreis bei 1,50 bis 2,00 Euro pro Frauenkondom liegt. Damit sind die Kondome für Frauen im Schnitt mehr als doppelt so teuer als gewöhnliche Kondome für Männer. Bezüglich der Sicherheit lässt sich aktuell noch nicht viel sagen, denn es gibt nur sehr wenige und dann nicht einmal repräsentative Studien. Auf Grundlage dieser Studien werden Frauenkondome als nicht besonders sicher eingestuft, denn im Pearl-Index werden sie mit einem Wert zwischen 3,0 und 25 bewertet.

 

Bildquelle: #131473381 – © adragan – Fotolia.com

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