Hormonspritze für den Mann: Darum wurde die Entwicklung eingestellt

Verhütungsmittel gibt es viele: Die Antibabypille, das Kondom, die Hormonspritze, die Spirale und noch einige mehr. Mit Ausnahme des Kondoms haben diese Verhütungsmittel jedoch alle eines gemeinsam: Sie sind auf das weibliche Geschlecht zugeschnitten und verhindern mithilfe von Hormonen die Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutter oder gar den Eisprung selbst.

Wenn es um männliche Verhütung geht, gibt es eigentlich nur zwei sichere Methoden: Das Kondom und die Vasektomie. Letztere Methode ist jedoch endgültig, weshalb sie für die meisten Männer ungeeignet ist. Unsichere Methoden wie die natürliche Familienplanung lassen wir außen vor.

Neue Hoffnung machte eine WHO-Studie über die Hormonspritze für den Mann. Diese Hoffnung wurde jedoch bereits vor einiger Zeit begraben, da die Entwicklung aufgrund drastischer Nebenwirkungen abgebrochen wurde.

Durch das feministische Internet ging dabei ein Aufschrei der Empörung: Wieso müssen Frauen mit den Nebenwirkungen von Verhütungsmitteln leben, Männer jedoch nicht?

Wie sollte die Hormonspritze für den Mann funktionieren?

Ein internationales Team aus Wissenschaftlern hat bereits vor vielen Jahren ein Verhütungsmittel auf Hormonbasis entwickelt, das Männer vorübergehend unfruchtbar machen kann – und das mit Erfolg. Das Verhütungsmittel hat die Anzahl der Spermien pro Ejakulation so stark verringert, dass die Testpersonen auf dem Papier temporär als unfruchtbar galten.

Die entsprechenden Ergebnisse lagen bereits im Jahr 2011 vor, wurden allerdings erst jetzt im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism veröffentlicht. Das Hauptproblem bestand bei der Entwicklung des Verhütungsmittels für den Mann darin, alle Spermien zu „entwaffnen„. Und das sind nicht wenige: Jeden Tag produziert der Hoden des Mannes Millionen von Spermien.

Aufgrund dieser Gegebenheit ist es auch nicht verwunderlich, warum es so viele Verhütungsmittel für die Frau gibt: Hier muss lediglich eine Eizelle im Monat „entwaffnet“ werden.

Wie lief die Studie damals ab?

An der Studie haben insgesamt 320 männliche und nachweislich zeugungsfähige Testpersonen im Alter von 18 bis 45 Jahren teilgenommen. Alle Testpersonen lebten zu diesem Zeitpunkt in festen, monogamen Beziehungen. Eine monogame Beziehung war notwendig, um die Zeugung von Kuckuckskindern auszuschließen.

Die Teilnehmer erhielten alle acht Wochen eine Injektion, die vor allem künstlich synthetisierte Formen von Testosteron und Norethisteron enthielt. Beide Hormone sind dafür bekannt, die Spermienproduktion maßgeblich zu beeinflussen.

Durchgeführt wurde die Studie nicht an einem zentralen Ort, sondern in zehn verschiedenen Untersuchungszentren, die über den gesamten Globus verteilt waren. Das war wichtig, um möglichst viele verschiedene Ethnien miteinzubeziehen.

Nach 26 Wochen wurde die Spermienanzahl der Testpersonen kontrolliert. Danach wurde die zweite Phase der Studie eingeläutet, in der die Teilnehmer lediglich mit der Hormonspritze verhüteten. Es galt herauszufinden, ob die Männer auch in der Praxis zeugungsunfähig waren – und nicht nur auf dem Papier.

Wie wirksam war der Hormoncocktail?

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO gilt ein Mann als zeugungsfähig, wenn auf einen Milliliter Ejakulat mehr als 15 Millionen Spermien kommen.

Nach insgesamt 26 Wochen (sprich: drei bis vier Injektionen) sank die Spermienanzahl bei so gut wie allen Männern auf weniger als eine Million pro Milliliter Ejakulat.

Die zweite Phase hielt über einen Zeitraum von 56 Wochen an. In diesem langen Zeitraum wurden lediglich vier Frauen von Testpersonen schwanger. Das entspricht einer Quote von 1,57 Prozent. Die Hormonspritze für den Mann ist demnach zwar geringfügig unsicherer als die Antibabypille, deren Erfolgsquote teilweise bei 99,9 Prozent liegt, dennoch handelt es sich aufgrund der Quote um eines der besten Verhütungsmittel überhaupt.

Positive Ergebnisse – beängstigende Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen der Hormonspritzen waren nicht zu vernachlässigen, weshalb das gesamte Projekt überhaupt erst gescheitert ist. Die Männer litten unter Akne, einer mangelnden Libido, Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen und Schmerzen rund um die Einstichstelle herum. Hierbei handelt es sich lediglich um die Nebenwirkungen, die am häufigsten auftraten.

Die Hormonspritze führte des Weiteren nicht nur zu körperlichen Gebrechen, sondern veränderte auch die Psyche der Männer. Rund drei Prozent der Teilnehmer litten unter Depressionen, rund 16,9 Prozent spürten emotionale Veränderungen durch das Verhütungsmittel. Während der Studie gab es sogar einen Selbstmord unter den Studienteilnehmern, dieser hatte jedoch vermutlich nichts mit der Gabe der Hormonspritze zu tun – so die Familie des Opfers.

Abbruch der Studie aufgrund von Nebenwirkungen

Aufgrund der besorgniserregenden Nebenwirkungen wurde nicht nur die Studie über die Hormonspritze abgebrochen, sondern das gesamte Projekt eingestampft. Zwar wollten einige Versuchsteilnehmer weitermachen, die Leitung des Forscherteams hat dies jedoch nicht zugelassen.

Aufschrei der feministischen Bewegung

Viele feministisch eingestellte Frauen kritisieren die Studie immens, da bekannt ist, dass auch Frauen unter der Einnahme der Antibabypille leiden – sowohl körperlich, als auch psychisch. Es habe demnach nichts mit Gleichberechtigung zu tun, wenn Forschungen aufgrund von Nebenwirkungen eingestellt werden würden.

Die Forscher wollten keine Aussage darüber treffen, ob die Nebenwirkungen mit denen der Antibabypille vergleichbar sind oder nicht. Unserer Meinung nach handelt es sich bei der Antibabypille jedoch um das weniger gefährliche Verhütungsmittel.

Entwicklung von Verhütungsmitteln für den Mann wird fortgesetzt

Die Hormonspritze ist zwar gescheitert, jedoch werden auch zukünftig Wissenschaftler daran arbeiten, ein geeignetes Verhütungsmittel für den Mann zu entwickeln, das die Frauenwelt ein wenig entlastet. Wir dürfen gespannt sein, was in Zukunft noch auf uns zukommt.

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