Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) auch bei Jungen?

Der Impfstoff gegen Humane Papillomviren (kurz: HPV) ist seit etwa zehn Jahren in Deutschland zugelassen und seitdem immer wieder im Gespräch. Das wichtigste Thema bei dieser Debatte ist die Frage, ob sich eine HPV-Impfung bei jungen Mädchen überhaupt lohnt.

Mittlerweile weiß man jedoch, dass sie sich sehr wohl rentiert. HPV löst relativ häufig Krebs aus. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Gebärmutterhalskrebs. Somit wäre die Frage, ob Mädchen überhaupt geimpft werden sollten, obsolet.

Nun tut sich jedoch eine neue Frage auf: Kann sich eine Impfung gegen Humane Papillomviren auch bei Jungen lohnen? Mittlerweile weiß man schließlich, dass HPV nicht nur Gebärmutterhalskrebs, sondern auch Krebs im Analbereich, im Mund-Rachen-Bereich, im Penis, in der Vagina und in der Vulva auslösen kann.

Wir haben für Sie nach einer Antwort gesucht.

HPV vor allem bei homosexuellen Männern ein Thema

Während die meisten Arten von Krebs bei Männern tatsächlich deutlich seltener vorkommen als Gebärmutterhalskrebs bei Frauen, so tritt Krebs im Analbereich bei homosexuellen Männern mindestens genauso häufig auf. Dies führt zu der Annahme, dass eine Impfung gegen HPV insbesondere bei homosexuellen Männern Sinn machen würde.

Dies ist jedoch leider nicht der Fall. Die meisten homosexuellen Männer pflegen nämlich sehr häufig sexuelle Kontakte zu Frauen, bevor sie erkennen, dass sie eigentlich auf Männer stehen. Ist dies der Fall, kann es natürlich sein, dass sie sich bereits vorher angesteckt haben. Das kann natürlich auch beim ersten Sex mit Männern geschehen.

HPV-Impfung bei Jungen

Letztendlich läuft es also doch wieder darauf hinaus, dass grundsätzlich jeder Junge geimpft werden sollte, bevor er sexuell aktiv wird. Von Experten empfohlen wird dabei ein Alter zwischen 9 und 14 Jahren.

Gegner der HPV-Impfung bei Jungen vergessen häufig, dass auf diese Weise nicht nur die Jungen vor verschiedenen Krebsarten geschützt werden, sondern auch die Verbreitung von HPV im Generellen eingeschränkt wird. Wenn sowohl Mädchen als auch Jungen gegen Humane Papillomviren geimpft werden, dann ist eine gegenseitige Ansteckung nicht mehr möglich – zumindest dann nicht, wenn ausnahmslos jedes Kind geimpft wird.

Argumente gegen eine Impfung bei Jungen

Gegner der Impfung von Jungen gegen Humane Papillomviren führen immer wieder dieselben Gegenargumente an:

  • Nebenwirkungen
    Die Nebenwirkung einer Impfung gegen HPV können recht ausgeprägt sein. Häufig kommt es zu Rötungen der Haut, zu Schmerzen um die Einstichstelle herum, zu Kopf- und Muskelschmerzen und zu Müdigkeit.
    Seltener kommt es zu Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Hautausschlag und Gelenkschmerzen.
  • Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht gegeben
    Impfgegner sprechen häufig davon, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei einer Impfung gegen HPV nicht gegeben ist. Die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken, sei demnach bei Jungen viel zu gering, als dass sich eine Impfung lohnen würde.
  • Jungen müssen die Kosten selber tragen
    Während Mädchen die HPV-Impfung von der Krankenkasse bezahlt bekommen, müssen Jungen bzw. deren Eltern tief in die Tasche greifen. Bis zu 500 Euro kosten sämtliche Impftermine zusammengerechnet. Das ist für viele Eltern ein KO-Kriterium, da die Impfung aktuell nicht empfohlen wird.

Wir halten alle drei Argumente für unhaltbar.

Zu den Nebenwirkungen: Natürlich klingen die Nebenwirkungen im ersten Moment nicht angenehm, allerdings handelt es sich dabei um kleinere, temporär bestehende gesundheitliche Einschränkungen. Krebs ist hingegen eine Krankheit, die das Leben kosten und deren Bestehen zu chronischen Gesundheitsproblemen führen kann.

Zu den Kosten: Die Kosten, die vom Patienten selbst getragen werden müssen, zeigen viel eher die aktuelle Problematik auf. Wird man sich der Tatsache bewusst, dass auch viele Jungen durch eine entsprechende Impfung vor Krebserkrankungen geschützt werden könnten, würden die Krankenkassen recht schnell das Scheckheft zücken. Die Behandlung von Krebs ist schließlich um ein Vielfaches teurer.

Zum Kosten-Nutzen-Verhältnis: Es mag zwar sein, dass viele Jungen geimpft werden würden, obwohl sie nie im Leben unter einer zusammenhängenden Krebserkrankung leiden würden. Diejenigen, die jedoch vor einer solchen Erkrankung bewahrt werden würden, wären für die Impfung mehr als dankbar. Einige Leben würden mit Sicherheit gerettet werden.

Wie sieht die zukünftige Entwicklung aus?

Aktuell gilt die Empfehlung einer HPV-Impfung von Jungen in Deutschland noch nicht, allerdings wird momentan stark darüber diskutiert. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Empfehlungen im Laufe der nächsten Jahre verändern werden. Außerdem sind wir gespannt, ob die Krankenkassen die Impfung zukünftig auch bei Jungen bezahlen werden.

Quellenangabe: Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag von Spiegel.de.

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