Kind mit Trisomie 21 geboren: Eltern verklagen Ärzte

Die Liebe zum eigenen Kind ist normalerweise die stärkste Form der Liebe, die bei uns Menschen existiert. Es sollte dabei keine Rolle spielen, welches Geschlecht das Kind hat, wie es aussieht oder unter welchen Krankheiten es leidet. Kind bleibt schließlich Kind – das eigene Fleisch und Blut. Der Träger oder die Trägerin der eigenen Erbanlagen.

In Zeiten, in denen Schwangerschaften durch Ärzte – zumindest teilweise – steuerbar sind, scheint diese Liebe nicht mehr zu existieren. Vor dem Oberlandesgericht München müssen Richter nämlich aktuell darüber entscheiden, ob Ärzte dafür haftbar gemacht werden können, wenn ein Kind mit Downsyndrom und Herzfehler zur Welt gekommen ist – schließlich hätten die Ärzte diese gesundheitlichen Probleme erkennen müssen. Es geht dabei um Unterhaltskosten und um Schmerzensgeld in nicht unerheblicher Höhe.

Hierbei stellt sich natürlich die Frage, ob es ethisch korrekt ist, wenn Eltern in solchen Fällen überhaupt klagen. Sollte man das eigene Kind nicht als Schicksal akzeptieren? Oder darf man heutzutage Ärzte verklagen, wenn sie gesundheitliche Probleme nicht sofort und zuverlässig erkennen? 

Ärzte werden nicht nur bei unentdeckten Krankheiten verklagt

Ärzte werden mittlerweile nicht nur verklagt, wenn ein Kind mit unentdeckten Krankheiten zur Welt kommt. Auch wenn das verschriebene Verhütungsmittel nicht funktioniert hat, werden Mediziner häufig an den Pranger gestellt. Es sei ihre Schuld – und dafür müssten sie bezahlen.

Je öfter solche Fälle an die Öffentlichkeit dringen, desto höher ist außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass andere Eltern ebenfalls bereit zur Klage sind. Aktuelle Zahlen belegen diese Aussage.

Droht uns in Zukunft eine riesige Klagewelle, wenn das Kind nicht den Ansprüchen der Eltern genügt?

Ärzte sind keine Hellseher – das sehen auch Gerichte so

Die Gerichtsurteile unterstützen die Ärzte jedoch häufig. Wenn eine Krankheit nicht im Vorfeld entdeckt werden kann, dann können Ärzte nicht dafür belangt werden, dass das Kind krank zur Welt kommt. Das beste Beispiel ist hierbei das Downsyndrom bzw. die Trisomie 21. Die Krankheit kann während der Schwangerschaft nicht 100-prozentig diagnostiziert werden, weshalb die behandelnden Mediziner in diesem Fall keine Schuld trifft.

Normalerweise ist eine frühzeitige Diagnose der Krankheit natürlich dennoch möglich. Im Fall der Münchner kam es allerdings zu einer Verkettung von ungünstigen Umständen, die eine rechtzeitige Diagnose verhindert hat.

Übrigens: Wussten Sie schon, dass neun von zehn Frauen die Schwangerschaft abbrechen, wenn bei ihrem ungeborenen Kind das Downsyndrom diagnostiziert wird? 

Allerdings: Ärzte müssen werdende Eltern so gut es geht beraten. Wenn Vater oder Mutter beispielsweise Risikogruppen angehören, die Auswirkungen auf den Gesundheitszustand des Kindes haben können, dann muss der Arzt eine entsprechende Warnung aussprechen. Normalerweise geschieht das natürlich.

Im Fall aus München litt die junge Frau an Multipler Sklerose und musste deshalb entsprechende Medikamente einnehmen. Die Frau ging davon aus, dass diese Medikamente zum Downsyndrom bei ihrem ungeborenen Kind geführt haben. Bisher ist man sich aber keines Zusammenhangs bewusst, weshalb die Ärzte keine Schuld trifft.

Eltern sollten nicht aus Verzweiflung klagen

Zugegeben: Wir können die Aufregung der Eltern verstehen, wenn ihr Kind auf einmal mit einer schweren Krankheit zur Welt kommt. Dennoch sollten sich diese Personen im Klaren darüber sein, dass man nicht alle Faktoren bei einer Geburt selbst bestimmen kann. Heutzutage kann man viel kontrollieren und bestimmen – Krankheiten können dennoch nicht ausgeschlossen werden.

Die meisten Familien, in denen behinderte Kinder zur Welt gekommen sind, leben dennoch glücklich ihr Leben und würden nicht einmal im Traum daran denken, ihr Kind gegen einen gesunden Ersatz auszutauschen.

Fremdbestimmung des Erbguts gibt es noch nicht

Viele Eltern träumen von einer Welt, in der sie Parameter wie Augenfarbe, Größe, Geschlecht usw. vor der Schwangerschaft selbst bestimmen können. Wir können dazu nur sagen, dass eine solche Fremdbestimmung zum Glück noch nicht durchführbar ist.

Die Welt ist doch gerade deshalb so aufregend, weil jeder Mensch anders ist. Eine Armee von Klonsoldaten würde diese Diversität nur einschränken und den zwischenmenschlichen Kontakt uninteressant machen.

Hinweis: Dieser Artikel basiert zum größten Teil auf einem Beitrag von Spiegel.de.

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