Verhütung für Männer: der neueste Erkenntnisstand

Über Jahrhunderte hinweg war Verhütung ein Thema, welches fast ausschließlich den Frauen zugeschrieben wurde. Dies hat sich von der grundsätzlichen Einstellung her auch seit Einführung der Kondome nicht wesentlich geändert, auch wenn es sich dabei natürlich um eine Verhütungsmethode handelt, die der Mann in der Praxis nutzt. Seit geraumer Zeit wird allerdings immer häufiger diskutiert, ob es nicht auch eine echte Verhütung für Männer geben könne, damit zumindest in dieser Hinsicht etwas mehr Gleichberechtigung herrscht und Frauen nicht zwingend eine Antibabypille wie Cilest nehmen müssen.

In unserem Beitrag werden Sie erfahren, was der neueste Stand der Wissenschaft zu diesem Thema ist und ob es bald tatsächlich auch für Männer hormonfreie Methoden geben wird, um eine Schwangerschaft bei der Frau zu verhindern.

Kondome bisher fast die einzige Verhütungsmethode für Männer

Bis dato gibt es für Männer im Prinzip nur eine zuverlässige Verhütungsmethode – bis auf die Sterilisation als operativen Eingriff – nämlich Kondome. Diese haben den positiven Nebeneffekt, dass sie nicht nur vor einer ungewollten Schwangerschaft bei Frauen schützen, sondern darüber hinaus vor den weitaus meisten Geschlechtskrankheiten oder auch vor einer HIV-Infektion. Zwar gibt es seit geraumer Zeit auch Hormone für Männer, die dazu führen sollen, dass die Spermien keine ausreichende Qualität mehr für die Befruchtung der Eizelle haben, aber oftmals befinden sich diese Methoden eher im experimentellen Bereich oder haben zu viele Nebenwirkungen.

Daher setzen immer mehr Wissenschaftler jetzt auf Versuche und neuere Methoden, die es ohne Hormone möglich machen sollen, die Spermien so zu manipulieren bzw. zu stoppen, dass keine Befruchtung stattfinden kann.

Welche Methode ist jetzt ganz neu?

Im Bereich der Verhütung für Männer tut sich aktuell etwas, denn es gibt eine durchaus vielversprechende neue Methode, die von den Wissenschaftlern entwickelt wurde. Es handelt sich dabei vereinfacht gesagt um eine Art Ventil, welches auf der Grundlage funktioniert, den Spermienfluss zu steuern.

Dieses Ventil hat ein Gewicht von lediglich zwei Gramm und ist ungefähr so groß wie ein Gummibärchen. Darüber hinaus soll das Ventil auf Knopfdruck funktionieren und so den Spermienfluss durch die Samenleiter steuern. Dies wiederum soll dazu führen, dass eine effektive Verhütung stattfindet.

Wie funktioniert die Methode im Detail?

Dass es sich bei der neuen Verhütungsmethode für Männer um ein Ventil handelt, ist insbesondere durch die Funktionsweise zu erklären. Das Prinzip ist relativ einfach und ahmt die Funktionsweise vieler anderer Ventile nach, die vor allem darin besteht, eine Durchleitung zu öffnen und zu schließen. In diesem Fall ist es so, dass das Ventil im Normalzustand geöffnet ist, sodass die Spermien ohne Behinderung durch den Samenleiter transportiert werden.

Wird das Ventil hingegen geschlossen, können die Spermien die Samenleiter nicht mehr passieren, sondern werden stattdessen in den Organismus abgeleitet.

Das Ejakulat beinhaltet in diesem Fall also keine Spermien mehr, sodass demzufolge keine Befruchtung der Eizelle stattfinden kann. Rein technisch werden diese Ventile in den Hodensack implantiert und umschließen dabei die Samenleiter. Die Steuerung des Ventils findet dann durch eine Art Schalter statt, der durch die Haut tastbar ist.

Wie aussichtsreich ist die neue Verhütung für Männer?

Da es in der Vergangenheit durchaus mehrere angeblich zuverlässige Methoden oder zumindest aussichtsreich Versuche gab, was die Verhütung für Männer angeht, ist natürlich zunächst einmal auch bei der neuen Methode eine gewisse Skepsis angebracht. Demzufolge stellt sich durchaus die berechtigte Frage, welches Potenzial die Methode überhaupt hat.

Die Erfolgschancen sind allerdings tatsächlich nicht schlecht, denn nach bisherigen Erkenntnissen scheint das Ventil durchaus zuverlässig zu funktionieren.

Bisher trägt zwar ausschließlich der Erfinder selbst das Ventil, welches den Fluss der Spermien steuern soll. Allerdings kann anhand der Spermiogramme bereits untermauert werden, dass eine zuverlässige Verhütung für Männer möglich ist, wenn das Ventil geschlossen ist.

Verhütung für Männer nicht mehr nur mittels Kondom

© medistock – Fotolia.com

Jetzt ist allerdings noch die Frage, ob es diese Methode tatsächlich zur sogenannten Marktreife schaffen wird. Für viele Männer wäre dies ein echter Fortschritt, denn bisher besteht – neben dem Kondom – im Prinzip nur die Möglichkeit, sich die Samenleiter chirurgisch durchtrennen zu lassen, um eine sichere Verhütung zu gewährleisten. Allerdings gibt es auch nicht wenige Skeptiker, beispielsweise im Berufsverband Deutscher Urologen. Einige Experten sehen die Chancen für das Ventil eher als gering an, insbesondere aufgrund der möglichen Nebenwirkungen.

Immerhin soll das Ventil aus Kunststoff bestehen und in lebendes Gewebe implementiert werden, sodass Experten vor allem die folgenden Nebenwirkungen befürchten:

  • Entzündungen
  • Verengen der Samenleiter
  • Verklebung und der Samenleiter
  • Unfruchtbarkeit

Insbesondere durch Entzündungen sowie Verklebungen und Verengungen der Samenleiter kann es im schlimmsten Fall sogar passieren, dass das Ventil nicht nur per Knopfdruck die Verhütung garantiert, sondern sogar eine dauerhafte Unfruchtbarkeit entsteht.

Für manche Männer mag dies nicht schlimm oder sogar gewünscht sein, aber es wird definitiv auch zahlreiche Männer geben, die vom Grundsatz her fruchtbar bleiben möchten.

Insofern liegt ein großes Augenmerk der aktuellen Forschung tatsächlich nicht nur auf die Funktionsgarantie des Ventils, sondern auf den möglichen Nebenwirkungen.

Hormongabe immer mit Risiken verbunden

Nicht erst der Skandal um eine bestimmte Antibabypille für die Frau, der sich vor nicht allzu langer Zeit in den Medien zeigte, zeigt die Tatsache auf, dass eine hormonelle Verhütung durchaus nicht risikofrei ist. Dies trifft nicht nur auf die Antibabypille oder den Verhütungsring zu, sondern selbstverständlich genauso bei Hormongaben für Männer, die ebenfalls eine Verhütung bewirken sollen. So gab es bereits in den Jahren 2010 und 2011 mehrere Versuchsreihen mit hormonellen Verhütungen bei Männern, die allerdings nach geraumer Zeit abgebrochen wurden. So klagten die Probanden zu einem großen Teil insbesondere über:

  • Hautprobleme
  • Depressivität
  • Gewichtszunahme
  • Stimmungsschwankungen
  • verringerte Libido

Die Hormongabe bei Männern, die eine Verhütung initiieren soll, hat also im Prinzip ähnliche Nebenwirkungen, die auch bei hormonellen Verhütungsmitteln für Frauen bereits bekannt sind.

Auch aus diesem Grund ist die öfter bereits diskutierte Pille für den Mann in absehbarer Zeit wohl kein realistisches Verfahren, welches die Marktreife schaffen wird.

Welche Verhütungsmethoden für den Mann werden aktuell erforscht?

Das eingangs beschriebene Samenleiter-Ventil ist aktuell nicht die einzige Verhütungsmethode für Männer, die erforscht wird. Insbesondere nach dem Abbruch der Versuchsreihen, was hormonelle Verhütung für Männer angeht, wenden sich die wissenschaftlicher eher mechanischen Methoden zu. Derzeit werden – abgesehen vom Ventil – insbesondere zwei weitere Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit und Nebenwirkungen hin überprüft, insbesondere das sogenannte TSSK2.

Es handelt sich dabei um ein Enzym, welches in den Hoden produziert wird und dafür verantwortlich ist, die Beweglichkeit von Spermien sowie der Samenflüssigkeit zu regulieren. Im vergangenen Jahr gelang erstmals die Isolation dieses Enzyms, mit dem die Wissenschaftler dann testen konnten, ob es auch dazu dienen kann, innerhalb eines Wirkstoffes die Beweglichkeit so zu blockieren, dass diese nicht mehr zur Befruchtung ausreicht.

Die Methode basiert also einfach dargestellt darauf, die Beweglichkeit der Spermien so einzuschränken, dass keine ausreichende Befruchtung mehr möglich ist.

Eines weitere Methode, die aktuell ebenfalls näher erforscht sind, ist eine Art Gelpropf. Die Wissenschaftler sind hier sogar bereits einen Schritt weiter als beim TSSK2, denn in naher Zukunft sollen die ersten Tests im Humanbereich stattfinden. Der „Propf“ funktioniert wie eine Art Filter, denn das Gel soll den Samenleiter verstopfen.

Daraus soll folgen, dass zwar die Samenflüssigkeit durch diesen Filter gelangen kann, nicht aber die Spermien als solche. Eine Untersuchung und Testreihe an Tieren war bereits äußerst erfolgreich, sodass es sich dabei tatsächlich um eine zukünftige Verhütungsmethode für Männer mit guten Erfolgsaussichten handeln könnte.

Problem: wenig Interesse bei der Industrie

Zwar sind alle drei zuvor genannten und in der Testphase befindlichen Verhütungsmethoden für Männer durchaus aussichtsreich, allerdings besteht ein Problem darin, dass seitens der Pharmahersteller bisher kaum Interesse besteht. Dies begründen Experten insbesondere damit, dass die Industrie aktuell generell kein größeres Interesse daran hat, überhaupt neue Verhütungsmittel zu entwickeln.

Dies wiederum ist vor allem darauf zurückführen, dass die Antibabypille für die Pharmahersteller ein sehr lukratives Geschäft darstellt, an dem man natürlich möglichst nichts zum Negativen hin ändern möchte. Es bleibt also abzuwarten, ob sich die genannten Verhütungsmittel für Männer tatsächlich am Markt durchsetzen können.


Bildquelle: #92926402 – © medistock – Fotolia.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.