Kommen Kinder in 20 Jahren nur noch aus dem Labor?

In deutschen Schlafzimmern ist Sex vor allem für eines da: Für das Vergnügen. Zwar verspüren viele Paare im Laufe ihrer Beziehung früher oder später den Wunsch, dabei ein oder mehrere Kinder zu zeugen, im Vergleich zum vergnüglichen Geschlechtsverkehr kommt die reine Fortpflanzung allerdings relativ gesehen eher selten vor – häufig auch ungewollt.

Der US-amerikanische Genforscher Henry Greely, der an der renommierten Stanford University tätig ist, prophezeit nun, dass Sex bald ausschließlich zum Vergnügen praktiziert werde. Er ist der Meinung, dass Kinder bereits in 20 bis 40 Jahren nur noch unter Laborbedingungen gemacht werden.

Nötig dafür sind ein Stück Haut der Mutter, aus der man die nötigen Stammzellen herstellen kann, und einige Spermazellen des Mannes – und schon wird man bereit sein, ein Kind heranzuzüchten.

Handelt es sich hierbei um eine realistische Vorhersehung, oder um die Vorstellungen eines Wissenschaftlers, der im Elfenbeinturm sitzt und lediglich darüber spricht, was theoretisch möglich sein wird?

Wir haben uns die wichtigsten Aspekte dieser Vorhersage einmal näher angeschaut.

Punkt 1: Stammzellen aus Hautpartien gewinnen

Im Jahre 2014 ist es Wissenschaftlern aus den Vereinigten Staaten von Amerika erstmalig gelungen, aus Hautpartien eines Menschen embryonale Stammzellen zu züchten. Dabei wurde eine weibliche Eizelle verwendet, deren genetisches Material durch jenes aus den Hautstücken ersetzt wurde. Im Vordergrund stand dabei die Möglichkeit, gesunde Stammzellen zu produzieren, die die Heilung bestimmter Erbkrankheiten ermöglichen könnten (z. B. Multiple Sklerose).

Das Klonen eines Menschen aus Hautfetzen ist zurzeit übrigens gesetzlich verboten. Aufgrund der allgemeinen Moralvorstellungen wird sich dies in naher Zukunft auch nicht ändern.

Punkt 2: Fortpflanzung ohne Sex

Die unbefleckte Empfängnis kennen fromme Menschen lediglich von der Jungfrau Maria, die angeblich ohne jeden Geschlechtsverkehr mit Jesus schwanger wurde. Jedoch wird die unbefleckte Empfängnis weltweit tagtäglich praktiziert – auch heute schon.

Bei der künstlichen Befruchtung erfolgt die Anreicherung der weiblichen Eizelle mit dem genetischen Material des Vaters unter Laborbedingungen. Sex ist dabei nicht nötig. Dieses Verfahren wird jedoch nur in Ausnahmefällen verwendet, wenn der klassische Geschlechtsverkehr nicht die gewünschte Wirkung erzielt.

Übrigens: Auf diese Weise können selbst unfruchtbare Männer Väter werden. Spermazellen sind nicht zwangsläufig nötig, da die benötigten Keimzellen, die die DNS enthalten, auch aus den Hoden, dem Hodengewebe oder den Nebenhoden entnommen werden können.

Punkt 3: Kategorisierung von Embryonen

Henry Greely ist davon überzeugt, dass Embryonen in circa 20 Jahren in vier verschiedene Kategorien unterteilt werden:

  • Embryonen mit schweren Krankheiten
  • Embryonen mit sonstigen Erkrankungen
  • Embryonen mit bestimmten äußeren Merkmalen (z. B. Augenfarbe)
  • Embryonen mit bestimmten Intelligenzquotienten bzw. einem bestimmten Verhalten

Demnach könnten die Eltern selbst entscheiden, welche Embryonen „verworfen“ werden und welche sie zur Welt bringen möchten.

Auch eine solche Kategorisierung ist heutzutage bereits teilweise möglich. Man kann dem ungeborenen Kind beispielsweise sehr geringe Mengen DNS entnehmen, anhand derer sich Krankheiten wie Trisomie-21 bereits im Vorfeld identifizieren lassen. In einem frühen Stadium der Schwangerschaft wäre hier beispielsweise Abtreibung eine Option.

Sprich: Auch im Jahre 2016 kann das Leben des zukünftigen Kindes bereits in Teilen vorhergesagt werden. Eine Kategorisierung im Detail, wie Henry Greely sie sich vorstellt, steht allerdings noch nicht zur Verfügung. Wir sind uns allerdings sicher, dass sich dies im Laufe der Jahre ändern wird.

Unsere Meinung

Unserer Meinung nach handelt es sich hierbei lediglich um Zukunftsmusik, die in 20 Jahren in dieser Form noch nicht realisiert werden kann. Hierbei muss man außerdem die moralischen und ethischen Vorstellungen der Gesellschaft miteinbeziehen. Nur weil etwas theoretisch möglich ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch umgesetzt werden muss. Menschenrechtler würden Sturm laufen, wenn die Vorstellungen von Greely von heute auf morgen Realität werden würden.

Je mehr Wissenschaftler an den Erbanlagen eines Embryonen manipulieren, desto höher ist das Risiko, dass es zu Spätfolgen kommen könnte – auch viele Generationen später. Studien aus der Vergangenheit haben beispielsweise bereits gezeigt, dass Kinder, deren Erbanlagen verändert wurden, im Durchschnitt ein geringeres Geburtsgewicht aufgewiesen haben. Auch psychische Erkrankungen kamen häufiger vor.

Zuletzt möchten wir noch die soziale Bindung anführen, die hauptsächlich dem klassischen Weg geschuldet wird. Wenn ein Kind im Labor gezüchtet wird, ist die soziale Bindung zwischen Mutter, Vater und Kind einfach nicht in dem Maße gegeben, wie es beim klassischen Geschlechtsverkehr und der klassischen Schwangerschaft der Fall wäre. Wir sind uns deshalb sicher, dass kaum jemand den Umweg über das Labor wahrnehmen würde – selbst wenn die Möglichkeit von Designer-Babys gegeben wäre.

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